{"id":1358,"date":"2026-07-21T12:35:57","date_gmt":"2026-07-21T12:35:57","guid":{"rendered":"https:\/\/frc.co.at\/kundentreueprogramm-ist-kein-gutschein\/"},"modified":"2026-07-21T12:35:57","modified_gmt":"2026-07-21T12:35:57","slug":"kundentreueprogramm-ist-kein-gutschein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frc.co.at\/en\/kundentreueprogramm-ist-kein-gutschein\/","title":{"rendered":"Kundentreueprogramm ist kein Gutschein"},"content":{"rendered":"<p>Viele Lieferanten bieten Treueprogramme an: Kundinnen und Kunden sammeln Punkte und k\u00f6nnen diese sp\u00e4ter gegen Waren oder Pr\u00e4mien einl\u00f6sen. Der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) hatte nun zu kl\u00e4ren, ob solche Treuepunkte umsatzsteuerlich als Gutscheine gelten.<\/p>\n<p>Konkret ging es um einen schwedischen H\u00e4ndler, der Haarpflege- und Sch\u00f6nheitsprodukte vertreibt und ein Kundentreueprogramm einf\u00fchren m\u00f6chte. Kunden k\u00f6nnen kostenlos teilnehmen und erhalten f\u00fcr jeden Einkauf Treuepunkte, die bei sp\u00e4teren Eink\u00e4ufen zum Erwerb ausgew\u00e4hlter, regelm\u00e4\u00dfig wechselnder Produkte eingel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Die Produkte haben in der Regel einen Wert von h\u00f6chstens \u20ac 50 und unterliegen unterschiedlichen Umsatzsteuers\u00e4tzen. Jedem im \u201ePunkteshop\u201c angebotenen Produkt ist ein Punktewert zugeordnet, der einem Gegenwert von etwa 2% bis 10% der urspr\u00fcnglichen Eink\u00e4ufe entspricht. Die Punkte sind weder in Geld umtauschbar noch entgeltlich erwerbbar, sie sind personenbezogen und nicht \u00fcbertragbar. Die Einl\u00f6sung erfolgt ausschlie\u00dflich gegen Treuepunkte innerhalb von zwei Jahren. Der EuGH verneinte das Vorliegen eines Gutscheines. <\/p>\n<p><strong>Voraussetzungen f\u00fcr einen Gutschein<\/strong> <\/p>\n<p>Nach der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie liegt ein Gutschein nur dann vor, wenn<\/p>\n<ul>\n<li>die <strong>Verpflichtung<\/strong> besteht, ihn als Gegenleistung oder Teil einer Gegenleistung f\u00fcr eine Lieferung von Gegenst\u00e4nden oder die Erbringung von Dienstleistungen anzunehmen, und<\/li>\n<li>die zu liefernden Gegenst\u00e4nde oder zu erbringenden Dienstleistungen oder die Identit\u00e4t der potenziellen Leistenden entweder auf dem Instrument selbst oder in den damit zusammenh\u00e4ngenden Unterlagen angegeben sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Laut EuGH war eine derartige Verpflichtung im geplanten Kundentreueprogramm nicht gegeben. Der Sachverhalt begr\u00fcndete keine Verpflichtung f\u00fcr den Unternehmer, die vorgelegten Punkte als Gegenleistung f\u00fcr eine Lieferung von Gegenst\u00e4nden anzunehmen. Die Punkte berechtigen ihren Inhaber lediglich, als Pr\u00e4mie zus\u00e4tzliche Waren von geringem Wert zu erhalten, wenn der Inhaber sich zu einem erneuten Einkauf bei diesem Lieferanten entschlie\u00dft.<br \/>Da eine der beiden Voraussetzungen f\u00fcr die Qualifikation bzw. Einordnung von Gutscheinen nicht erf\u00fcllt war, war auch das Kundentreueprogramm weder als Einzweck-Gutschein noch als Mehrzweck-Gutschein einzuordnen.<\/p>\n<p><strong>Tipp<\/strong><br \/>Die Einrichtung eines Treuepunkteprogramms sollte im Vorfeld stets auch unter steuerlichen Gesichtspunkten sorgf\u00e4ltig geplant und gepr\u00fcft werden, da sich daraus insbesondere umsatzsteuerliche Einordnungsfragen ergeben k\u00f6nnen. Eine fr\u00fchzeitige steuerliche Analyse kann dabei helfen, Risiken zu vermeiden und die Gestaltung steueroptimal auszugestalten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Lieferanten bieten Treueprogramme an: Kundinnen und Kunden sammeln Punkte und k\u00f6nnen diese sp\u00e4ter gegen Waren oder Pr\u00e4mien einl\u00f6sen. 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