{"id":1216,"date":"2025-02-24T12:16:24","date_gmt":"2025-02-24T12:16:24","guid":{"rendered":"https:\/\/frc.co.at\/selbststandigkeit-oder-dienstverhaltnis\/"},"modified":"2025-02-24T12:16:24","modified_gmt":"2025-02-24T12:16:24","slug":"selbststandigkeit-oder-dienstverhaltnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frc.co.at\/en\/selbststandigkeit-oder-dienstverhaltnis\/","title":{"rendered":"Selbstst\u00e4ndigkeit oder Dienstverh\u00e4ltnis?"},"content":{"rendered":"<p>Oft ist es schwierig zu bestimmen, ob jemand selbst\u00e4ndig t\u00e4tig ist oder in einem Dienstverh\u00e4ltnis steht. Dies hat nicht nur Einfluss auf die steuerliche Beurteilung der Eink\u00fcnfte, sondern auch darauf, welcher Pflichtversicherung eine Person unterliegt.<\/p>\n<p>Eine aktuelle Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs (VwGH) beleuchtet die Rolle eigener Arbeitsmittel bei dieser Unterscheidung. Ausgangspunkt des Verfahrens war ein f\u00fcr den Verein K t\u00e4tiger Bergwander- und Naturf\u00fchrer. Dieser f\u00fchrte touristische und schulische Wanderungen mit Gruppen durch, welche ihm vom Verein vermittelt wurden. Die Wanderungen widmeten sich jeweils gewissen Themen, wobei die konkrete Themenaufbereitung dem Bergf\u00fchrer oblag. <br \/>Im Zuge der Wanderungen konnte er <strong>eigenst\u00e4ndige Entscheidungen treffen<\/strong> und war nicht an Weisungen des Vereins gebunden. Seiner T\u00e4tigkeit ging der Bergf\u00fchrer stets pers\u00f6nlich nach. Die f\u00fcr die Wandertouren wesentlichen <strong>Arbeitsmittel<\/strong> wie Bergschuhe, Funktionsbekleidung, Rucksack, etc., wurden dem Bergf\u00fchrer <strong>nicht zur Verf\u00fcgung gestellt<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Dienstnehmer des Vereins?<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00d6sterreichische Gesundheitskasse (\u00d6GK) beurteilte die gegenst\u00e4ndliche T\u00e4tigkeit des Bergf\u00fchrers als Dienstverh\u00e4ltnis und stufte ihn als Dienstnehmer des Vereins ein. Das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) ging zwar grunds\u00e4tzlich davon aus, dass den Bergf\u00fchrer eine pers\u00f6nliche Arbeitspflicht getroffen habe. Aufgrund der fehlenden pers\u00f6nlichen Abh\u00e4ngigkeit sei der Revisionswerber aber nicht als Dienstnehmer iSd ASVG besch\u00e4ftigt gewesen.<br \/>Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hat nun in seinem Erkenntnis betont, dass die Nutzung eigener Betriebsmittel ein wichtiges Kriterium bei der Abgrenzung zwischen selbst\u00e4ndiger T\u00e4tigkeit und Dienstvertrag darstellt. Wenn jemand seine eigenen Arbeitsmittel verwendet, spricht dies f\u00fcr eine selbst\u00e4ndige T\u00e4tigkeit. Umgekehrt kann die Bereitstellung der Arbeitsmittel durch den Auftraggeber ein Hinweis auf ein Dienstverh\u00e4ltnis sein.<br \/>Allerdings ist die Frage, ob jemand selbst\u00e4ndig oder unselbst\u00e4ndig t\u00e4tig ist, <strong>immer anhand des Gesamtbildes der Arbeitsbeziehung zu beurteilen<\/strong>. Die Verwendung eigener Betriebsmittel ist dabei nur ein Aspekt von vielen. Weitere Faktoren sind beispielsweise die Weisungsgebundenheit, die Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Auftraggebers und das wirtschaftliche Risiko.<\/p>\n<p><strong>Kein Nachweis \u00fcber betriebliche Nutzung<\/strong><\/p>\n<p>Das Vorhandensein nicht nur geringwertiger Wirtschaftsg\u00fcter ist laut VwGH eine notwendige, aber nicht in allen F\u00e4llen ausreichende Voraussetzung, um von wesentlichen eigenen Betriebsmitteln ausgehen zu k\u00f6nnen. Der <strong>Revisionswerber verf\u00fcgte im gegenst\u00e4ndlichen Fall \u00fcber keine Betriebsmittel, die f\u00fcr sich genommen nicht nur geringwertig waren<\/strong>. Allerdings kann ein wesentliches Arbeitsmittel auch vorliegen, wenn dies eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung hat. Daher h\u00e4tten im vorliegenden Fall wesentliche eigene Betriebsmittel nicht schon verneint werden d\u00fcrfen, weil die Wertgrenze durch die einzelnen Gegenst\u00e4nde nicht \u00fcberschritten wurde. Es w\u00e4re vielmehr zu pr\u00fcfen gewesen, ob diese Gegenst\u00e4nde zumindest \u00fcberwiegend betrieblich genutzt werden. Dies h\u00e4tte durch den Revisionswerber (Bergf\u00fchrer) geschehen m\u00fcssen. Da dieser aber keinen Nachweis \u00fcber eine solche betriebliche Nutzung erbracht hat, kam der VwGH zum Schluss, dass keine wesentlichen eigenen Betriebsmittel vorliegen und der Bergf\u00fchrer als Dienstnehmer einzustufen ist.<\/p>\n<p><strong>Hinweis<\/strong><br \/>Die Entscheidung des VwGH unterstreicht die <strong>Bedeutung der verwendeten Arbeitsmittel bei der Beurteilung des Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisses<\/strong>. F\u00fcr Betroffene ist es wichtig, alle relevanten Umst\u00e4nde zu ber\u00fccksichtigen und ausreichend zu dokumentieren, um auch im Nachhinein feststellen zu k\u00f6nnen, ob eine selbst\u00e4ndige T\u00e4tigkeit oder ein Dienstverh\u00e4ltnis vorliegt. Wir empfehlen diesbez\u00fcglich eine fr\u00fchzeitige Beratung.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oft ist es schwierig zu bestimmen, ob jemand selbst\u00e4ndig t\u00e4tig ist oder in einem Dienstverh\u00e4ltnis steht. 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