{"id":1101,"date":"2024-01-19T15:11:21","date_gmt":"2024-01-19T15:11:21","guid":{"rendered":"https:\/\/frc.co.at\/unternehmerische-vermietung-von-grundstucken-durch-korperschaften-offentlichen-rechts\/"},"modified":"2024-01-19T15:11:21","modified_gmt":"2024-01-19T15:11:21","slug":"unternehmerische-vermietung-von-grundstucken-durch-korperschaften-offentlichen-rechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frc.co.at\/en\/unternehmerische-vermietung-von-grundstucken-durch-korperschaften-offentlichen-rechts\/","title":{"rendered":"Unternehmerische Vermietung von Grundst\u00fccken durch K\u00f6rperschaften \u00f6ffentlichen Rechts"},"content":{"rendered":"<p>Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hatte \u00fcber unternehmerische Vermietung von Grundst\u00fccken durch K\u00f6rperschaften \u00f6ffentlichen Rechts (K\u00d6R) zu entscheiden.<\/p>\n<p>Die betroffene Gemeinde errichtete eine <strong>Sport- und Freizeitanlage und vermietete diese an einen Sportverein<\/strong>. Die Gemeinde tritt dabei als K\u00f6rperschaft \u00f6ffentlichen Rechts auf. Bei Ermittlung des Mietentgelts wurden Eigenleistungen der Vereinsmitglieder, bestimmte Betriebskosten sowie eine rechnerische Komponente zur Absetzung f\u00fcr Abnutzung (AfA) ber\u00fccksichtigt. Das Finanzamt qualifizierte diesen Vorgang als <strong>nicht umsatzsteuerpflichtig<\/strong>, da das nach der Verwaltungspraxis erforderliche Mindestentgelt nicht erreicht worden sei. Daher wurde auch die damit in Verbindung stehende <strong>Vorsteuer berichtigt<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Fiktiver Betrieb gewerblicher Art<\/strong><\/p>\n<p>Das Bundesfinanzgericht (BFG) gab der daraufhin erhobenen Beschwerde Folge und begr\u00fcndete, es liege kein blo\u00dfer Anerkennungszins vor, wodurch der Tatbestand der steuerpflichtigen Vermietung als fiktiver Betrieb gewerblicher Art einer K\u00d6R erf\u00fcllt sei. Daher durfte auch entsprechend <strong>Vorsteuer geltend gemacht<\/strong> werden. Gegen diese Entscheidung erhob das Finanzamt eine Amtsrevision beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH).<\/p>\n<p>Die Qualifizierung als umsatzsteuerbarer Vorgang ist deshalb so relevant, da nur dann eine Vorsteuer geltend gemacht werden kann. Grunds\u00e4tzlich unterliegen K\u00d6R nur mit ihren Betrieben gewerblicher Art der Umsatzsteuer. Im Umsatzsteuer-Bereich gilt als Betrieb gewerblicher Art unter anderem die Vermietung und Verpachtung von Grundst\u00fccken. Ob eine Vermietung und Verpachtung von Grundst\u00fccken im Sinne des Umsatzsteuergesetzes vorliegt, ist danach zu beurteilen, <strong>ob ein Bestandvertrag nach dem allgemeinen Zivilrecht gegeben ist<\/strong>. Zivilrechtliches Hauptkriterium eines Bestandvertrages ist seine Entgeltlichkeit. Eine Anerkennung als Bestandverh\u00e4ltnis setzt neben der Deckung der laufenden Betriebskosten ein Entgelt f\u00fcr den Gebrauch des Grundst\u00fccks in Form einer AfA-Komponente voraus.<\/p>\n<p><strong>Bestandvertrag oder Leihvertrag?<\/strong><\/p>\n<p>Entscheidend ist somit, ob der Nutzungs\u00fcberlassung des Grundst\u00fcckes ein entgeltlicher Bestandvertrag oder ein unentgeltlicher Leihvertrag zugrunde liegt. Ein entgeltlicher Bestandvertrag liegt allerdings nicht schon vor, wenn neben den Betriebskosten eine AfA-Komponente an den Eigent\u00fcmer gezahlt wird. Die Zahlung einer AfA-Komponente ist daher nicht die einzige Voraussetzung f\u00fcr das Vorliegen eines entgeltlichen Bestandvertrages. <\/p>\n<p>Der VwGH hat sich in seinem Erkenntnis vor allem auf die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes (OGH) gest\u00fctzt. Nach der OGH-Rechtsprechung ist f\u00fcr die Frage, <strong>ob die Nutzungs\u00fcberlassung als unentgeltlich zu qualifizieren ist, zun\u00e4chst darauf abzustellen, ob die vom Nutzungsberechtigten \u00fcbernommenen Kosten aus dem Gebrauch resultieren <\/strong>(z.B. Warmwasser)<strong> oder ob sie dem Eigent\u00fcmer unabh\u00e4ngig davon gezahlt werden<\/strong> (z.B. Grundsteuer oder Bankgeb\u00fchren). Nur die \u00dcbernahme der Kosten zweiter Art stellt Entgelt dar. Unabh\u00e4ngig davon liegt keine Entgeltlichkeit vor, wenn das bedungene Entgelt so niedrig ist, dass es gegen\u00fcber dem Wert der Ben\u00fctzung praktisch nicht ins Gewicht f\u00e4llt. Ein derartiger Anerkennungszins liegt vor, wenn das bedungene <strong>Entgelt nicht mehr als ca. 10% des orts\u00fcblichen Entgelts<\/strong> ausmacht. Die Beurteilung der Entgeltlichkeit kann somit nur erfolgen, wenn das bedungene Entgelt dem orts\u00fcblichen Mietzins, der f\u00fcr das Objekt erzielbar gewesen w\u00e4re, gegen\u00fcbergestellt wird.<\/p>\n<p>Da das BFG eine solche Gegen\u00fcberstellung nicht vorgenommen hat, war das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben.<\/p>\n<p>Hinweis: Bei der steuerlichen Anerkennung von Bestandverh\u00e4ltnissen ist neben grunds\u00e4tzlichen Fragen der H\u00f6he des Entgelts oft auch die <strong>Fremd- sowie Orts\u00fcblichkeit<\/strong> relevant. Sollten sie daher eine Vermietung oder Verpachtung in Erw\u00e4gung ziehen, empfehlen wir die fr\u00fchzeitige Planung und umfassende Beratung.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hatte \u00fcber unternehmerische Vermietung von Grundst\u00fccken durch K\u00f6rperschaften \u00f6ffentlichen Rechts (K\u00d6R) zu entscheiden.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-1101","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frc.co.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1101","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frc.co.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frc.co.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frc.co.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frc.co.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1101"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/frc.co.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1101\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frc.co.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frc.co.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frc.co.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}