{"id":1005,"date":"2023-06-19T10:43:34","date_gmt":"2023-06-19T10:43:34","guid":{"rendered":"https:\/\/frc.co.at\/liebhaberei-in-der-land-und-forstwirtschaft\/"},"modified":"2023-08-09T07:18:12","modified_gmt":"2023-08-09T07:18:12","slug":"liebhaberei-in-der-land-und-forstwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frc.co.at\/en\/liebhaberei-in-der-land-und-forstwirtschaft\/","title":{"rendered":"Liebhaberei in der Land- und Forstwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>T\u00e4tigkeiten ohne Gewinnerzielungsabsicht werden als \u201eLiebhaberei\u201c bezeichnet. Dennoch erwirtschaftete (Zufalls)Gewinne aus der Liebhaberei sind nicht steuerpflichtig, umgekehrt d\u00fcrfen Verluste weder ausgeglichen noch vorgetragen werden. Auch im Bereich der Land- und Forstwirtschaft kann es zu Liebhaberei kommen.<\/p>\n<p>Im Regelfall sind land- und forstwirtschaftliche Betriebe weder in der Einkommensteuer noch in der Umsatzsteuer als Liebhaberei zu qualifizieren. Wird jedoch eine T\u00e4tigkeit entfaltet, die auf einer besonderen in der Lebensf\u00fchrung begr\u00fcndeten Neigung beruht und sich diese bei objektiver Betrachtung nicht zur Erzielung von Gewinnen eignet, liegt keine unternehmerische T\u00e4tigkeit, sondern Liebhaberei vor. Als Beispiele daf\u00fcr werden etwa in den Liebhabereirichtlinien des Finanzministeriums die <strong>Nutzung f\u00fcr Freizeitzwecke und\/oder zur Aus\u00fcbung von Hobbyt\u00e4tigkeiten wie Jagen oder Reiten<\/strong> angef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Beobachtungszeitraum<\/strong><\/p>\n<p>Der Beobachtungszeitraum, innerhalb dessen beurteilt wird, ob ein Betrieb ertragsf\u00e4hig ist und ob Verluste blo\u00dfe Anlaufverluste oder nachhaltige Verluste sind, ist je nach Bewirtschaftung unterschiedlich. Bei einer Pferdezucht ist nach Ansicht des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH) ein f\u00fcnf- bis achtj\u00e4hriger Betrachtungszeitraum, bei einem Forstbetrieb aufgrund der langen Produktionszeitr\u00e4ume ein viel l\u00e4ngerer Betrachtungszeitraum angemessen.<\/p>\n<p><strong>Beurteilungseinheit<\/strong><\/p>\n<p>Jede organisatorisch in sich geschlossene und mit einer gewissen Selbst\u00e4ndigkeit ausgestattete Einheit ist getrennt zu betrachten. So ist beispielweise die Pferdehaltung neben einer kleinen Landwirtschaft gesondert zu beurteilen.<\/p>\n<p><strong>Mindestgr\u00f6\u00dfe<\/strong><\/p>\n<p>Eine Mindestgr\u00f6\u00dfe ist nicht erforderlich. Trotzdem kann die Bewirtschaftung einer Kleinlandschaft f\u00fcr eine typischerweise private Nutzung sprechen. In der Vergangenheit qualifizierte der VwGH etwa eine Landwirtschaft mit einer Nutzfl\u00e4che von 1,8 ha als Liebhaberei. In einem anderen Erkenntnis hat der VwGH entschieden, dass eine 16 Hektar gro\u00dfe Landwirtschaft keine Liebhaberei ist.<\/p>\n<p><strong>Umsatzsteuer<\/strong><\/p>\n<p>In Ausnahmef\u00e4llen kann eine einkommensteuerrechtliche Liebhaberei vorliegen, welche jedoch eine zum Vorsteuerabzug berechtigende, umsatzsteuerpflichtige Bet\u00e4tigung darstellt. Das umsatzsteuerliche Verst\u00e4ndnis von Liebhaberei ist wesentlich enger gefasst als das ertragssteuerliche. Umsatzsteuerrechtlich ist das Vorliegen einer &#8222;wirtschaftlichen T\u00e4tigkeit&#8220; im Sinne der unionsrechtlichen Vorgaben zu pr\u00fcfen. Hierbei ist insbesondere eine <strong>Abgrenzung zwischen privatem Konsum und wirtschaftlicher T\u00e4tigkeit<\/strong> durchzuf\u00fchren. Es ist in weitere Folge zu pr\u00fcfen, ob ein marktkonformes Verhalten zur Einkommenserzielung vorliegt. Der Vertrieb von Wein \u00fcber ausschlie\u00dflich pers\u00f6nliche Kontakte stellt beispielsweise kein marktkonformes Verhalten dar. Das Vorliegen einer Liebhaberei ist somit im jeweiligen Einzelfall gesondert zu pr\u00fcfen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00e4tigkeiten ohne Gewinnerzielungsabsicht werden als \u201eLiebhaberei\u201c bezeichnet. Dennoch erwirtschaftete (Zufalls)Gewinne aus der Liebhaberei sind nicht steuerpflichtig, umgekehrt d\u00fcrfen Verluste weder ausgeglichen noch vorgetragen werden. 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